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Alois Wißmann's Leben

Alois Wißmann
Der eigenverfasste Lebenslauf des Ur-Bronnbachers von 1976 wurde nur in die heutige Rechtschreibnorm transferiert
Am 10. Februar 1907 – nachmittags um 13:45 wurde ich in Bronnbach an der Taubergeboren. Es soll ein sehr kalter Sonntag und zwar der Fastnachtssonntag gewesen sein. Deshalb blieb mir auch der Humor anhaften, wenn gleich auch dann der Aschermittwochals mein Tauftag folgte. Deshalb kommt auch nach jeder Dummheit von mir wieder die Reue.
Mein Vater war, der am 11. September 1873 in Reichholzheim geborene Briefträger, Alois Wißmann, der seit 1902 den Postdienst in Bronnbach und den umliegenden Höfen erledigte. Meine Mutter Adelheid, geb. Mudelsee, stammte aus einer Maurerfamilie aus
Reicholzheim. Beide haben am 5. Mai 1905 geheiratet und hatten im Schreinerei-Bau
(rechter Eingang) des Klosters eine Küche und ein Zimmer. Mit meinem Eintritt in die Welt wurde diese Kleinwohnung um ein Zimmer erweitert. Meine Mutter soll allerhand Schwierigkeiten bei meiner Geburt gehabt haben. Aber auf einmal war ich Dank der Unterstützung der Hebamme Rosa Müssig aus Reicholzheim und der Nachbarin Barbara Wolf da. Ich soll mörderisch gebrüllt haben und blau gewesen sein. Die Taufe vollzog der Pfarrer Martin Noe von Reicholzheim. Der Pate war der Bruder meines Vaters Alois Wißmann, der bei der Badischen Bahn tätig war. Deshalb bekam ich den Vornamen Alois. Nach den Berichten erschienen an den nächsten Tagen die Frauen des kleinen Weilers,
um mich zu besichtigen. Das neue Produkt wurde als normal befunden.
In meinem Geburtshaus wohnten damals noch unsere guten Nachbarn, die FörsterfamilieWolf, deren 8 Kinder, die alle älter als ich waren, erprobten an mir ihre Erziehung.
Nebenan wohnte der Weinbergaufseher und Stabhalter (Bürgermeister und Dorfrichter)Herberich der abgesonderten Gemarkung Bronnbach, der schon 1911 starb. Unserer Wohnung gegenüber war ein Raum als Schule eingerichtet. Nur eine Tafel und ein Ofen
waren vorhanden. In den eng zusammenstehenden Schulbänken drängten sich zeitweise bis zu drei Schüler pro Bank. Daneben lag die Wohnung des Unterlehrers. Meine Mutter versorgte den ledigen Lehrer. Sie reinigte seine Wohnung, wusch seine Wäsche und flickte die Löcher in den Strümpfen. Dazu trank er jeden Morgen bei uns in der Küche seinen Kaffee. Dabei bekam ich meine ersten pädagogischen Impulse und das Interesse
später auch einmal Lehrer zu werden. Das steigerte sich derart, dass ich begann Lese-und Rechenversuche zu machen, mit dem Ergebnis, dass ich bei meinem Eintritt in die Schule in Bronnbach bereits lesen und den Zahlenraum bis 100 flott beherrschen konnte.
Ich spielte, malte und arbeitete immer gern allein. Dazu erhielt ich von meinen Eltern treffliche Anregungen.
Aus dieser Vorschulzeit sind mir noch in Erinnerung: die Gutspächtereheleute Eberth, die Rentamtmannfamilie Grohe und in der Schmiede hämmerte mein Onkel, der spätere Stabhalter und Bürgermeister Alois Dorbath. Seine Frau war die Posthalterin. In der Mühle (Sägemühle) war Peter Prokopp tätig. Seine Frau hatte noch einen kleinen Laden, in dem meine Mutter einkaufte. Im Schloss wohnte der Verwalter oder Kastellan Oswald
Balgheimer, dessen Kinder auch zu meinen Spielgefährten gehörten. Es war immer schön
durch das Schloss zu streifen und in den weiten Räumen Versteckerles zu spielen.
Der Kastellan lernte mir später das Ministrieren und wusste mir vieles aus den Tagen der alten Herzogin von Braganca zu erzählen. In der Brauerei fungierte bis 1912 als Braumeister Herr Bogner, der nach seiner Pensionierung nach Passau zog. Sein Nachfolger war Eduard Ötzel. Mit ihm waren die Brauführer: Hirtenreither, Brauer Engelbert Fuchs und als
Mälzer und Sieder Josef Zeitler, genannt der “Sepp“, tätig. Eine prächtige Gestalt war der Küfer Georg Eckert, ein Ur-Bronnbacher, dessen Vater noch Klosterküfer war. Er sollte mir ein guter Helfer werden, als ich mich für die Bronnbacher Geschichte interessierte. Die Brauerei führte das Bier und auch Eis mit Pferdegespannen aus, letzteres wurde im Winter auf der Tauber geschlagen und im Eiskeller am Hang gegenüber der Brücke eingelagert.
Der Bierfahrer war Jakob Schäfer. Sein Vater war der letzte Klosterschäfer auf dem Schafhof. Weinbergaufseher war Josef Endres, dessen Familie im Pavillon wohnte. Seine Kinder waren gleichaltrige Spielkameraden. In dem Gasthof wirkte Karl Zeller als Wirt. Am Bahnhof hörte alles auf den Stationsmeister Ludwig Breitlinger. Zwei Beamte namens Betzel und Matzer, sowie 3 Stationsdiener standen ihm zur Seite, um den Zugverkehr zu bewältigen.
Die wenigen Kinder des Ortes waren eine verschworene Gemeinschaft, die mit einander spielten. Es gab schöne Spielplätze und der Wald war dazu auch in der Nähe. Die
Wolfsbuben, Alois Dorbath (im Freundeskreis “Säuadel“ genannt), Alois Bödigheimer und Julchen Endres machten das Dörfchen unsicher. Mit den Hofbewohnern Rössy auf Wagenbuch oder Streckert auf dem Schafhof hatten wir wenig Kontakt. Eine wichtige Person im Dorf war noch der taube Pfarrer Thöne, bei dem ich ab dem 5. Lebensjahr Ministrant war. Trotz seiner Taubheit verstanden wir uns durch Zeichen recht gut. Jedoch war das
Tragen des Meßbuchs für mich immer eine Sorge, denn es war für den kleinen Ministranten fürchterlich schwer und der Altar zu hoch.
Von meinen Großeltern kannte ich nur den Vater meiner Mutter, der bereits 1912 verstarb. Eigenartigerweise kann ich mich noch sehr genau an ihn erinnern und weiß noch manches Erlebnis von ihm zu berichten. Er steht mir noch lebendig vor Augen. Oft gingen meine Eltern
mit mir am Sonntag nach Reicholzheim zu den vielen Tanten und Onkeln. So kann ich abrundend sagen, dass ich eine schöne frühe Kindheit hatte. Meine Eltern hatten eine strenge Erziehungsmethode. Das war gut so, denn sonst wäre es wohl kaum möglich gewesen, die Härte, die mir im Leben begegnete, zu überwinden.
Mit dem Eintritt in die Schule an Ostern 1913 begann der Ernst des Lebens. Mein Schulweg war ja nicht weit. Er ging nur über den Hausgang. Mein Lehrer Hugo Müller war ein geborener Königshöfer. Das Schulleben machte mir so viel Freude, dass ich sogar weinte, als es Ferien gab.

Dieses friedliche Leben wurde plötzlich durch den Ausbruch des Krieges am 02.08.1914 unterbrochen. Unser Lehrer musste in den Krieg. Wir Schulkinder, es
waren mit denen von den Höfen etwa 25, mussten nun jeden Tag bei Wind und Wetter zu Fuß über den Berg nach Reicholzheim (einfach 3 Kilometer) laufen. Dort hatten wir im neuen Schulhaus zuerst Herrn Lehrer Rick und später Fräulein Lauer im Unterricht.
Johann Pflaumer war anschließend unser guter Lehrer, der auch meine Eltern veranlasste mich auf eine höhere Schule zu schicken. So machte ich nach den Sommerferien im September 1916 nach drei Volksschuljahren die Aufnahmeprüfung in die Realschule
Tauberbischofsheim, wohin ja bereits 4 Freunde aus Bronnbach: Heinrich Wolf, Anton Eberth, Alois Bödigheimer und Anton Ötzel gingen. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten mit dem neuen Unterricht, denn unser Lehrer warf derart mit Fremdwörtern wie: Verb,
Substantiv und dergleichen um sich, dass mir alles spanisch vorkam und ich armes Landkind mich damit nicht zurecht fand. Ich bat meinen Vater mich wieder
herauszunehmen. Da kam ich aber schlecht an, zumal ich ja immer noch Lehrer werden wollte. Da half mir mein Nachbar Heinrich Wolf und brachte mir die neuen
Grammatikausdrücke und ihre Bedeutung in einigen Stunden bei. Nun lief der Laden.
Während der ganzen Kriegsjahre fuhr ich mit dem Zug von Bronnbach nach Tauberbischofsheim. Hinfahrt war um 6 Uhr und die Rückfahrt um 19:30 Uhr. Als Warteraum
diente ein kaltes Zimmer in der Schule wegen der Kohlennot. Dies war eine Überlebensübung und es wurde trotzdem eisern gelernt. Die Betreuung der Schule wurde
mit Beendigung des Krieges besser, denn statt der 5 Kriegslehrer hatten wir nun 8 Lehrer, von denen mir mein Klassenlehrer Professor Emil Stocker in guter Erinnerung blieb. Unser Direktor war Albert Kuntzemüller. Wir waren beim Eintritt in die Schule 43 Schüler. Am Ende der 6. Klasse (Untersekunda) bei der Ablegung der Mittleren Reifeprüfung verblieben nur noch 16, von denen noch einer durchfiel. In der Prüfung wurde uns wirklich nichts
geschenkt. Zu Ostern 1922 erhielten wir unser Zeugnis.
Mit der Beendigung des Krieges traten auch in Bronnbach manche Änderungen ein. Zwar mussten wir noch morgens um 6 Uhr in die Schule fahren, aber die Dorfschule öffnete wieder für die Volksschulkinder ihre Pforten. Es kamen wieder Lehrer und diese wurden
meine Musiklehrer, die mir Privatunterricht gaben, denn es war für den Lehrerberuf vorgeschrieben, die Anfangsgründe für Violine und Klavier zu besitzen.

Lehrer Reißfelder begann mit Violine und von Lehrer Roth erhielt ich den ersten Klavierunterricht. Mein Vater kaufte mir sogar trotz Geldnot ein gebrauchtes Tafelklavier.
In der Lebenszone meiner Heimat trat ein Umschwung ein, als im Oktober 1921 wieder Cisterzienser in das Kloster einzogen. Diese nahmen sich meiner an: Der neue Abt Bernhard Widmann erteilte mir Violinunterricht. Mein Klavierlehrer war Pater Balduin Lutz. Er unterstützte mich in Harmonielehre und gab mir Orgelstunden. Ich hatte also einen gut gefüllten Rucksack mit Musik, als ich mich nach meinem Realschulabschluss in Tauberbischofsheim
am Lehrerseminar in Ettlingen anmeldete. Bronnbach war in dieser Zeit wieder zum Mittelpunkt des Taubertals geworden. Das Klosterleben strahlte überall aus. Ich
wurde Zeremoniar des Abtes und durfte manche Reise mit ihm machen. In steter Erinnerung bleibt mir das 700-jährige Jubiläum der Abteikirche. Höchste Persönlichkeiten von Kirche und Staat waren anwesend. Auch im Schloss war neues Leben eingekehrt.
Nach dem Waffenstillstand in Portugal war der Herzog Miguel von Braganca ins Schloss mit seiner Familie eingezogen. Sein Sohn Infant Duarte war mit mir gleichaltrig und so wurden wir Freunde und Spielkameraden. Wir schossen auf Spatzen, kochten im Waldhaus am Sonntag Kaffee und backten dazu Kuchen. Dabei brachten wir einmal Pulver aus alten, portugiesischen Patronen zur Explosion, wobei sich leider Freund Duarte das Gesicht verbrannte. Ach was fiel uns nicht alles ein! Goldene Jugendzeit! Der alte Herzog
meinte einmal: „Und da soll ich euch Beiden böse sein?“
Natürlich kam auch viel Besuch ins Schloss und damals erkannte ich, dass königliche Bindungen über Grenzen gehen. So war öfters die Schwester des Herzogs, die Herzogin von Parma und Mutter der Kaiserin Zita, im Hause. Ihr hatte ich es angetan, denn sie nahm mich des öftern in die Arme und meinte dabei: „Deinen Vater habe ich auch schon im Arm gehabt und dein Großvater arbeitete viel bei meiner Mutter.“ Wiederholt weilte Zita
im Schloß. Die Prinzen Felix und Sixtus von Parma lebten im Schloss. Zar Boris und sein Vater Ferdinand unterhielten gute Beziehungen zum Hause Braganca. Mit Zar Ferdinand suchten wir oft Pflanzen im Wald, die er uns dann erklärte. Einmal durften wir Kronprinz
Rupprecht von Bayern auf viele Fragen über Bronnbach Antwort geben. Vertreter der portugiesischen Königspartei weilten öfters in Bronnbach. Das Haus Löwenstein unterhielt rege Beziehungen und so heiratete 1921 der Erbprinz von Thurn und Taxis die Prinzessin
Elisabeth von Braganca. Zu diesem großen Fest in den Klostermauern erschien als Offiziator der Erzabt Raphael von Beuron. Als das Haus Braganca wieder nach
Seebenstein verzog, bewohnte Prinz Johannes zu Löwenstein mit seiner Familie das Schloss.
Inzwischen hatte ich zu Ostern 1922 die Mittlere Reife errreicht und versuchte nun ins Lehrerseminar Ettlingen eintreten zu können. Jedoch wurde ich vom Unterrichtsministerium abgewiesen, da ich noch keine 16 Jahre alt war. Mir wurde empfohlen ab Herbst 1922 noch ein Jahr das Vorseminar Tauberbischofsheim zu besuchen. Ich benutzte die Pause zwischen Ostern bis Herbst 1922, um mich in Musik weiterzubilden. Die Mönche waren hierbei eine gute Hilfe. Auch einige Stunden Harmonielehre durfte ich bei Domkapellmeister
Wilhelm Widmann aus Eichstätt erleben. Das Jahr im Vorseminar war für mich lediglich ein Wiederholungsjahr. Nach der Prüfung im Sommer 1923 zog der ganze Kurs in
das Lehrerseminar in Ettlingen. Gerne denke ich noch an die hervorragenden Pädagogen, die uns auf den Lehrerberuf vorbereiteten. Direktor Reiser, unser Papa, Professor Müller, Sauter, Gustaf Kempf, Musiklehrer Schlager und Turnlehrer Köchlin bildeten uns aus. Die
Arbeit und der Stoff machten mir keine Schwierigkeiten, die 3 Jahre waren eine leichte Arbeitszeit. Schwierig war es für meinen Vater bei einem monatlichen Gehalt von 160 Mark mich mit monatlich 60 Mark Seminarbeitrag nach Ettlingen zu schicken. Eine große Hilfe waren die 5 Dollar, die ich von einem Onkel aus Amerika geschickt bekam. Da ich 4,50 Dollar der Seminarleitung überreichte, konnte das Semirar mit diesem Betrag im
Rahmen der Inflation ein halbes Jahr verköstigt werden. Ich musste bis zum Ende meiner Ausbildungszeit keinen Seminarbeitrag mehr bezahlen.
In der Klasse pflegten wir gute Kameradschaft, die uns den Namen “Räuberbande“ bei unserem Papa einbrachte. So vergingen die Ettlinger Jahre und im Juli 1926 wurden wir 7
Tage schriftlich und 3 Tage mündlich geprüft. Alle Kandidaten bestanden. Meine Lehrprobe lautete: „Die kommunizierten Röhren“ im 6. Schuljahr bei dem späteren Musiklehrer Julier.
Die Prüfung nahm der Kreisschulrat Orsinger von Baden-Baden ab. Leiter der Gesamtprüfung war der Ministerialrat Künkel (Schneckenkünkel). Am Ende der Prüfung gratulierte er den 4 Kandidaten: Jäger, Rödler, Roll und Wißmann, die diese mit “sehr gut“ bestanden hatten.
Nun waren wir ausgebildete Lehrer, wurden aber nicht angestellt, da keine Stellen frei waren. So mussten wir eben sehen, wie wir unser Brot verdienten. Ich war an der Post tätig und arbeitete als Taglöhner stundenweise auf einem der Klosterhöfe. Gleichzeitig mussten wir als Schulkandidaten wöchentlich unter Aufsicht eines erfahrenen Lehrers 20 Stunden Unterricht erteilen, damit wir das Handwerk nicht verlernten. Dafür erhielten wir einen Unterrichtszuschuß von 20 Mark und später von 25 Mark im Monat. Meine Mentoren waren in Bronnbach: Lehrer Limberger und in Gamburg Hauptlehrer Heusler und Lehrer Pickel. Schulbesuche durch den Kreisschulrat erfolgten alle 3 Monate. Diese unsichere Zeit dauerte bis zum 1. Mai 1931. Zwischendurch war ich Aushilfslehrer bei Krankheits und Urlaubsfällen in Freudenberg, Werbachhausen und Niklashausen. Nach anfänglichen
Schwierigkeiten durften wir dann wenigstens die 2. Prüfung, die sogenannte Hauptlehrerprüfung
ablegen. Vom 1.- 8. Mai wurde diese Prüfung am Lehrerseminar in Heidelberg abgehalten.
Endlich wurde ich am 1. Mai 1931 als Schulpraktikant mit 24 Wochenstunden bei einem Gehalt von 120 Mark (netto 108 Mark) als außerplanmäßiger Lehrer angestellt.

Unser Bronnbacher Gastwirt fuhr mich an meine 1. Dienststelle nach Korb bei Adelsheim. Im Gasthaus bekam ich ein Zimmer und Kost. Ich hatte große Schwierigkeiten nicht in der Schule bei Hauptlehrer Uhle, sondern in der Gemeinde. Korb war ganz evangelisch und
der damalige Pfarrer Schanbacher konnte es nicht verwinden, daß ein Katholik dort als Lehrer angestellt wurde. Er bekämpfte mich von der Kanzel und im evangelischen Gemeindeblatt so lange, bis ich am 9.1.1932 nach Freudenberg versetzt wurde, wo mir
neben dem Schulunterricht auch der Organistendienst zugeteilt wurde. Anzumerken ist, daß ich als Organist mehr verdiente als ein Lehrer. Nun begann meine Wanderzeit als Lehrer, denn Junglehrer wurden generell oft versetzt.
Nur kurz bis Herbst 1932 war ich hier mit einem netten Kollegium verbunden, dann musste ich nach Schweigern. Auch dort saß ich wieder an der Orgel. Zwei volle Jahre blieb ich hier und die Gemeinde war immer sehr aufgeschlossen. Bei Familie Dörr war ich gut aufgehoben.
Das Dreierkollegium verstand sich sehr gut. Sportlich betätigten wir uns im Kegelklub. Hier erlebte ich den Umschwung von 1933 gravierend, denn Schweigern war
der neuen Richtung sehr zugetan. Als die 3. Stelle aufgehoben wurde, kam ich als Schulverwalter am 20. Oktober 1934 nach Sulzbach bei Mosbach. Mein dienstführender Lehrer war der spätere Schulrat Schwab, dem ich sehr viel zu verdanken habe.
Mein Kontakt zu Albert Schneider, den ich seit 1930 kannte, wurde noch enger, denn an einer neuen Arbeitsgemeinschaft wurde rege gearbeitet, woraus sich eine alljährliche Herbsttagung in Binau entwickelte. Dabei wurde die Richtung “Dorfeigene Schule“
geboren, hierbei war ich einer der aktivsten Mitarbeiter. Leider wurde dieses Unterfangen durch die Masse der Stadtlehrer völlig zerstört. Später sollte sich herausstellen, dass unser Ziel, wäre es nicht in diesen politischen Umbruch geraten, zu einer besseren
Verwirklichung des Schulsystems geführt hätte. Nachdem die Planstelle durch einen NS Parteifreund neu besetzt war, wurde ich nach nur einem Jahr als Schulverwalter nach Berolzheim versetzt. Lediglich 3 Monate dauerte hier meine Amtszeit.
Jetzt konnte ich mich am 3. Juli 1935 im Kreis Tauberbischofsheim in Form einer freigestellten
Wahl in der Volksschule Hochhausen und in der Riesengasse 10 bei der Familie Reinhard niederlassen. Als Beauftragter des Binauer Modells sollte ich diese Idee in
Vorträgen und Arbeitsgemeinschaften im Kreis Tauberbischofsheim bekannt machen. 27 Jahre blieb ich in Hochhausen als Lehrer tätig. Mit meinem Kollegen Münch hatte ich freundschaftlichen Kontakt. In der Gemeinde lebte ich mich gut ein. Bis dahin hatte ich
immer noch, auch nach dem Wegzug der Cisterzienser 1931 nach Seligenporten, in der Abteikirche zu Bronnbach den Organistendienst inne und fuhr deshalb jeden Sonntag in mein Heimatdorf, um kirchen-musikalisch die Messe zu begleiten. Die Arbeitsgemein-schaft “Dorfeigene Schule“ war sehr gut besucht und ich führte viele Lehrproben im Schulhaus durch und entwarf mit den Lehrern neue Arbeitsmittel. Eines Tages wurde mir vom Kreisamtsleiter des NSLB (Nationalsozialistischer Lehrerbund) mitgeteilt, daß die
Arbeitsgemeinschaft aufgelöst sei, da sie die Lehrerschaft entzweie. Albert Schneider erhielt ebenfalls ein diesbezügliche Arbeitsverbot in Binau. Hochhausen erwuchs zwischenzeitlich zur zweiten Heimat.
Das Datum 3. Oktober 1936 beinhaltet rückblickend viele Ereignisse. Meine Frau sah ich zum ersten Mal 1925 beim Wahltag von Hindenburg zum Reichstagspräsidenten. Damals weilte ich noch im Seminar in Ettlingen und wurde von Bürgermeister Dorbath als Schriftführer zu der Wahl nach Bronnbach beordert. Dort erschien eine junge Dame, die ich nicht kannte. Auf meine Frage, wer das sei, antwortete er: „Die kennst du nicht, das ist die Betti, die Kindererzieherin der Rössys auf dem Wagenbücher Hof.“ Nach dem Wahlabschlussarbeitstag lud der Bürger-meister die Wahlmitarbeiter zu einem Glas Bier in die
Wirtschaft ein. Dort waren die Wähler von Wagenbuch und einige Bronnbacher Freunde.
Ich musste mich ans Klavier setzen und zu einem Tanz aufspielen. Wir verblieben bei Klaviermusik noch einige Zeit zusammen, bis die Wagenbücher heimfuhren. Am nächsten Tag fuhr ich wieder ins Seminar nach Ettlingen. Gedanklich nahm ich Wagenbuch im Herzen mit.
In den Sommerferien zogen wir Bronnbacher alljährlich zum Erntetanz nach Höhefeld zum Alfred. Ich lud mit einem Briefchen das Fräulein von Wagenbuch ein ebenfalls nach Höhefeld mitzukommen. Ich bekam eine Zusage mit dem Vermerk: „Ich komme dorthin und wir
werden uns finden. Der Rummel wird ja nicht zu groß sein.“ Und wir haben uns gefunden. Noch einige Male trafen wir uns, bis ich wieder zum letzten Jahr nach Ettlingen musste. Über den besagten “Alfred“ schrieben wir uns, denn mein Vater, der Briefträger, sollte es
nicht merken. Aber es kam doch heraus und mein Vater erklärte mir damals: „Ich habe nichts gegen deine Wahl, aber wenn du keine ernste Absicht hast, mach Schluss.“ Ich blieb beim Ernst. Leider mussten wir lange warten, denn - wie vorab angeführt - war ich 5 Jahre voll ausgebildet ohne Beruf und dann war der Verdienst derart gering, daß an eine Heirat nicht zu denken war. Inzwischen war meine Braut von Wagenbuch weggegangen und trat eine neue Stelle in Nürnberg bei den Besitzern von Spears-Spielen für deren beide Söhne an. Dort verlobten wir uns und feierten dieses Fest bei meinen alten Cisterzienserfreunden in Seligenporten. Meine Braut Betti verließ mit der jüdischen Familie
Spear Deutschland und weilte 3 Jahre in England, da deren Spielwarenfabrik und Gelände für Photo- Porst beschlagnahmt wurde. Bei ihrer Rückkehr hatte sie politisch gesehen große Schwierigkeiten.
Vor der Hochzeit war Betti eine Zeit lang bei meinen Eltern. Am 3. Oktober 1936 wurden wir durch Pater Theophil, der aus Seligenporten angereist war, in der Abteikirche in Bronnbach getraut. Klein war die Hochzeitsgesellschaft, denn außer meinen Eltern waren nur Onkel und Tante mit Tochter aus Würzburg gekommen. Der Kirchenchor, der am Vorabend
ein Ständchen dargebracht hatte, verschönte die Feier durch herrliche Darbietungen. Anschließend fuhr die kleine Hochzeitsgesellschaft nach Hochhausen, wo die
neu eingerichtete Wohnung besichtigt wurde. Mein Kollege Münch brachte mit den Schulkindern ein Ständchen dar. Familie Reinhard freute sich mit uns, denn wir wohnten weiterhin in der jetzt renovierten Wohnung. Von Hochhausen ging es im Auto dann nach Würzburg. Nach dem Photographieren fuhren wir zur Tante in die Wohnung, wo deren Schwester Marie bereits den Festtagsbraten gerichtet hatte. Nach dem Essen besuchten wir mit den Eltern das Käppele. Die Eltern reisten am Abend heim und wir blieben 8 Tage bei Onkel und Tante. Dann zogen wir in unser schönes Heim und verbrachten schöne Tage im Reinhardschen Hof. 1939 kam unser Sohn Alois auf die Welt und wir waren eine
glückliche Familie, bis der 2. Weltkrieg ausbrach. Als Beamter und erster Bewohner von Hochhausen erhielt ich in der gleichen Nacht den Gestellungsbefehl. Bei dem raschen Abschied erklärte mir mein Hausherr auf der Treppe: „Gehen sie ruhig, ich werde immer
für ihre Frau und das Kind sorgen.“ Ich wusste, der gute Mann wäre dafür immer eingestanden.
In Künzelsau wurden wir zu einem Wachbataillon zusammengestellt. Da ich bereits 1936 und 1937 zwei Militärübungen in Nürnberg auf Dienstbefehl absolviert hatte, wurde mir sofort eine Gruppe zugeteilt. Unter den 14 Mann waren 9 Lehrer. Bataillonskommandeur
war Oberleutnant Spang und Leutnant Schöppler Kompanieführer. Nach 3 Tagen fuhren wir gegen Osten nach Guttenberg in Schlesien. Am 1. September 1939 ging es über die polnische Grenze nach Tschenstochau (Schwarze Madonna), Radomsko, Pulsvi an der
Weichsel bis Radom, wo wir immer Nachschub- und Wachaufgaben hatten. Nach Abschluss des polnischen Feldzugs wurden wir nach Weilburg an der Lahn zurück nach Deutschland verladen, wo ich zum Unteroffizier befördert wurde. Zu Weihnachten folgte
die Verlegung nach Bonn als Wachkompanie im Palais Schaumburg. Hier wurde ich zum Feldwebel befördert. Im April wurde ich zum Reservebataillon in Bad Mergentheim zur Generalüberholung eingeteilt und der aktiven Truppe zugeteilt. In der Faulenbergkaserne wurden wir zum Marschbataillon zusammengestellt und machten als Armeereserve den Frankreichfeldzug mit. Nach dem Zusammenbruch der Westfront kam unser Regiment
nach Lutterstadt im Elsaß. Dort wurden wir weiter ausgebildet. Am 10. Oktober 1940 wurde ich von meiner Schulbehörde zurückgeholt und UK gestellt. In Gamburg musste ich 120 Schüler unterrichten. Der Zustand der Schule, die seit Kriegsbeginn nur an 2 Wochentagen Unterricht hatte, war verheerend. Im Grünen Baum aß ich zu Mittag und pendelte täglich hin und her. Nach 2 Jahren war die Schule wieder auf der Höhe. Am 19. Juli 1942 wurde unser zweiter Sohn Gerhard geboren. Genau ein Jahr später im Juli 42 wurde ich erneut nach Coburg einberufen. Dort wurden wir wieder aufgebimst und im
September zur 113 ID nach Südrussland verfrachtet. Über Kiew, Scharkow ging es zum Don, hinein in den Kessel von Stalingrad. Bereits nach 14 Tagen waren wir
eingeschlossen. Ich wurde Kompanieführer der              
9. Kompanie, Regiment 260. Hier traf ich auf Arthur Spinner aus Werbach, dem Divisionsadjudanten der gleichen Kompanie. Meine Kompanie bestand aus einem Feldwebel, einem Unteroffizier und 13 Mann. Wir
mussten gegen ein russisches Bataillon die Stellung halten. Die Verpflegung bestand aus einer Scheibe Brot, einem Stückchen Kunsthonig, einem halben Trinkbecher Tee und einer Zigarette. Unsere Tätigkeit bestand in Angriff und Verteidigung unseres Standorts. Unsere
Waffe war in vorderster Linie die Handgranate. Eine zermürbende Reihe von Tagen folgte mit Schnee und bis zu 44° Kälte. Bei einem Gang von Schützenloch zu Schützenloch schlug eine Granate ein und verschüttete mich und meinen Melder Kreuzer, der zerrissen wurde. Nach einigen Stunden war ich freigegraben. Ich wurde mit 27 Splittern auf der rechten Körperseite ins Feldlazarett getragen, wo ich Arthur Spinner das letzte Mal sah.
Auf dem Verbandsplatz in Walroschoska in einem zerschossenen Keller wurde ich von einem russischen Arzt und einer russischen Krankenschwester mit Zeitungspapier, das die Russen normalerweise für ihre Machorka-Zigaretten verwendeten, eingewickelt. Als die
Schwester kurz aus dem Raum ging, bisher wurde nur russisch gesprochen, fragte mich der Arzt in perfektem Deutsch: „Woher kommen sie?“ Ich antwortete: „Aus Heidelberg.“
Diese beiden Worte retteten mein Leben. Er sagte: „Dort habe ich studiert und ich sorge dafür, dass sie nach Hause kommen.“ Nun betrat die Schwester wieder den Raum und ich hörte nur noch Russisch. Nach langem Warten und unter unsäglichen Schmerzen wurde ich am 16. Januar auf Veranlassung des russischen Arztes zum Flughafen Pitomnik gebracht und in die Postkammer unter dem Fußboden der He 111 verbracht. Dies war das
drittletzte Flugzeug, das den Flughafen verließ.
Da die alten “Jus“ oft abgeschossen wurden, landeten wir nach einem abenteuerlichen Zickzackflug außerhalb des Stalingradkessels auf spiegelglatter Eisfläche. Aber bereits in der Nacht brach der Russe erneut durch und wir wurden unter Panzersicherung in das Notlazarettzug nach Jainovotaja und später nach Stalino verlegt. Dort bekamen wir zum ersten Mal statt Prawdapapier einen echten Verband. Läuse hatten sich bei uns gut
angefressen und vereiterten die Wunden. Die Verladung in einen Lazarettzug in Richtung Heimat erfolgte Ende Januar 1943. Unterwegs versuchte man in Polen die „“Stalingrader“ herauszufildern, um sie von der Bevölkerung fernzuhalten. Wir verrieten uns nicht und so
kamen wir nach Ilsenburg ins Reservelazarett “Weißer Stein“. Dort verblieb ich bis Anfang März. Meine verletzte Großleber war inzwischen abgeschwollen und die dreimalige Breifütterung am Tag ohne Zucker und Salz hatte sich gut ausgewirkt. Die Läuse waren endlich nach viermaliger Entlausung verschwunden. Von hier aus hörte meine Frau nach einem halben Jahr zum ersten Mal wieder etwas von mir. Den ersten Kuchen, der mir
geschickt wurde, durfte ich nicht essen, aber die Schwestern freuten sich darüber. Mitte März wurde ich dann in das Lazarett in Tauberbischofsheim verlegt, wo Dr. Röll und Dr. Kraus meine Ärzte waren, die mich anfangs nicht mehr erkannten, denn ich wog nur noch
95 Pfund. Man versuchte mich mit Diät wieder auf “Marschstärke“ zu trimmen. Im Juni kam ich dann zur Ausheilung meines Leberschadens in das Haus Schwaben in Bad Mergentheim. Die Besuche meiner Frau mit den Kindern brachten Abwechslung in die Kurmaßnahmen mit Fango und Heilwasser. Meine beiden Kinder mussten die ersten Jahre ohne Vater aufwachsen, aber unser Hausherr, die Familie Reinhard ließ es den Beiden auch während der Kriegsjahre an nichts fehlen. Nachdem ich einigermaßen auskuriert war und genug Schläuche zur Leberkontrolle geschluckt hatte, wurde ich dann im Juli 1943 zum Ersatzbataillon in Prag versetzt. Dort musste ich zuerst das Kartoffelschälen vorführen, kam dann in die Unterrichtsabteilung der Wehrkreisverwaltung Böhmen-Mähren, zu Oberregierungsrat Zemann, der mir ein väterlicher Freund wurde. Vormittags war ich seine Bürokraft und am Nachmittag musste ich Berufssoldaten
in Steno, Deutsch, Rechnen, Geschichte und Erdkunde unterrichten. Sie legten alle eine Prüfung ab. Zemann besuchte mich öfters im Unterricht und wir konnten uns
über pädagogische Fragen unterhalten. Er war von meinem modernen Unterricht so beeindruckt, daß er mich aufforderte, nach dem Krieg (er sah den Ausgang kommen) zu ihm nach Wien zu kommen, wo er in der Unterrichtsverwaltung tätig war. Später wurde ich
Lehrer von gehirngeschädigten Berufssoldaten, die nicht einmal den eigenen Namen und lebensbezogene Zusammenhänge kannten. Das war ein hartes Stück Arbeit. Hierfür hatte ich besonderes pädagogische und psychologische Werke zusätzlich zu erarbeiten.
Nach Abschluß dieser Tätigkeit kam ich als AV-Mann an das Waisenhaus Sulzbach-Rosenberg, um dort zu unterrichten. Ich nahm Abschied von Prag, wo ich auch meine ehemalige Schülerin Thea Trabold aus Gamburg wieder sah und lernte dabei ihre Rotkreuzmitschwester
kennen. Ich wurde von dieser mit meinem Namen angesprochen, obwohl ich sie noch nie gesehen hatte und mein Name auch noch nicht gefallen war. Ich fragte
sie: „Woher kennen sie meinen Namen?“ Wir trugen ja keine Namensschilder an der Uniform. Sie eröffnete mir, daß sie ein 2. Gesicht habe und in die Zukunft sehen könne, was sie aber sehr belasten würde. In Sulzbach-Rosenberg hatte ich nette Kameraden und Offiziere, vor denen ich auch einen Vortrag über Stalingrad hielt. Mit Stabszahlmeister Müller machte ich öfter Wanderungen und mancher Wochenendurlaub war möglich.
Leider war diese schöne Zeit im Oktober zu Ende und ich musste zurück nach Prag. Die Russen waren in Schlesien eingebrochen und die Ostfront bereits stellenweise
aufgebrochen. So wurde alles was kreuchte und fleuchte an die Front verlegt. Ein Marschbataillon nach dem anderen wurde aufgestellt und in Werschowitz verladen. Unser Marschbefehl traf um 14:00 Uhr ein und um 17:00 Uhr wurden wir verladen. Plötzlich stand die mir bekannte Rotkreuzschwester vor mir und ich erschrak. Doch Schwester Maria, die meine Schrecksituation erkannt hatte, beruhigte mich und sagte: „Herr
Wißmann, sie werden den weiteren Krieg erleben, sie werden trotz ihrer schweren Verwundung und nach erneuter, russischer Gefangenschaft wieder nach Hochhausen zurückkehren. Das einzige was sie mit nach Hause bringen werden, ist ein kleines Porzellan-schweinchen, das ich ihnen schenke. Es hat jetzt noch 4 Beine, dann hat es nur noch 3 und ich werde sie nach dem Krieg in Hochhausen besuchen.“ Dies gab mir Auftrieb und einen großen Halt. So, wie sie gekommen war, verschwand sie wieder. Ich steckte das 1,5 cm große Schweinchen in meinen Geldbeutel. Übrigens das Schwein hängt noch heute am Schreibtisch meines Sohnes Gerhard. Diese Voraussagen sollten sich alle
erfüllen und Schwester Maria Klitzner besuchte uns einen Tag vor Heiligabend 1947 in Hochhausen. Das zweite Gesicht habe sie: „Gott sei Dank“, wie sie sich selbst äußerte, verloren. Freundschaftlich verbunden besuchten wir uns gegenseitig in Bad König bis zu ihrem Tod und tauschten dabei Erinnerungen aus. Wir wurden dann in Schlesien eingesetzt und hatten viele Abwehrkämpfe zu bestehen. Mit dem Zusammenbruch am 5. Mai 1945 wanderten wir Richtung Westen und ließen uns
verleiten in den Sudetengau hinüberzuwechseln. Wir gerieten in die Hände von Tscheschniks und wurden gefangengenommen. Wir mussten uns bis auf die Unterwäsche ausziehen und die Kleider auf einen Haufen werfen. Die Tscheschniks begannen, diejenigen, die mit dem Ausziehen fertig waren, mit Holzknüppeln zu erschlagen. Sie waren damit so beschäftigt, dass sie die Gruppe Russen nicht bemerkten, die heranschlichen. Diese erschossen drei Tscheschniks und die anderen flohen. Jetzt durften wir unsere Uniformen wieder anziehen und ich schaute nach meinem Glücksschwein,
denn ich hatte mit einem tschechischen Gewehrkolben Schläge im Gesäß- und Rükkenbereich erhalten. Es war noch ganz, aber ein Bein war abgebrochen. So verlor das
Schwein sein Bein und wir gerieten in die vorausgesagte, russische Gefangenschaft und waren froh in russischer Obhut zu sein. Die Russen setzten uns auf Hungerkost und in wenigen Tagen waren wir nur noch Wracks. Nachdem das Feldlager voll war, wurden wir in Marsch gesetzt. Der traurige Haufen schlich Richtung Norden die Elbe aufwärts und kam bis vor Dresden. Was ich bedauerte war, daß ich auf dem Marsch bei vielen Gelegenheiten nicht durchbrannte. Die Möglichkeit
war vorhanden. Wir kamen ins Hungerlager, nichts zu essen, aber dafür ständig Verhöre. Ich musste als Schreiber im Revier helfen und hatte morgens zu melden, wieviele Kameraden in der Nacht gestorben waren. Wassersuppe und etwas Kommisbrot sollte uns
erhalten. Die ersten Arbeitskommandos wurden zusammengestellt und nach Russland verfrachtet. Da lief mir wieder einmal das Glück in Form eines Arztes über den Weg. Ein russischer Kapitän, der als Arzt das Revier betreute, sprach mich, den Schreiber, eines Tages in deutscher Sprache an - zuvor hatte er sich vergewissert, das kein Russe in der Nähe war - und erzählte, dass er in Heidelberg studiert hatte. Natürlich war Heidelberg
wiederum meine Heimat. Wir kamen uns menschlich näher. So erfuhr ich von ihm, dass alle nicht arbeits-fähigen deutschen Soldaten in die Heimat entlassen würden und er für mich sorgen wolle. Bei einer Kommissionsuntersuchung wurde bei mir starke Distrophie festgestellt und so kam ich mit “ärztlicher“ Unterstützung auf die Heimatliste. Es gab zwar noch einige Schwierigkeiten, aber am 3. Oktober ging es aus dem Lager. Mit einem Kohlentender fuhren wir Richtung Hof und standen vor aufgerissenen Schienen. Wir versuchten über die Demarkationslinie zu kommen, wurden aber zweimal erwischt. In Dalgrün halfen uns ein Lehrer und ein Bauer. Sie brachten uns auf abenteuerliche Weise, versteckt unter einem Heuwagen in den entfernten Wald. Dort lagen wir bis 4 Uhr morgens, dann ging es während des Postenwechsels durch den Grenzfluß hinauf zu der ersten westlichen Ortschaft Nordhalben. Wir schlugen uns über Naila, Kronberg nach
Vierzehnheiligen durch, wo uns die Patres erst einmal etwas Richtiges zu essen gaben. Es war Karoffelsuppe! Auf dem weiteren Marsch in Richtung Heimat schnappte uns ein amerikanisches Streifenkommando und lieferte uns im Gefängnis in Bamberg ab. Dort war schon eine Anzahl Ostgefangener. Nach 2 Tagen wurden wir nach Ansbach in eine Fabrikhalle gebracht. Hier wurden wir nochmals auf Herz und Nieren geprüft und nach 14 Tagen zum freien Marsch in die Heimat entlassen. Mit einem Lastwagen fuhren mein Kamerad Karl Väth aus  Werbachhausen und ich nach Würzburg. Hier hofften wir bei unserer Tante Finni Halt machen zu können. Doch
Würzburg war total zuerstört und wir fanden ihre Wohnung in Trümmern. So liefen wir den Leistengrund hinauf. Wir erwischten ein Auto mit Holzvergaser und der Fahrer rief uns zu: „Aufspringen! Ich kann nicht anhalten!“ So kamen wir gegen 15 Uhr in Tauberbischofsheim an, wo ich den Lagerhausbesitzer Dahl von Hochhausen als ersten Bekannten begrüßen
konnte. Er klärte mich über meine Familie, Hochhausen und die Gesamtlage auf. Zuerst besuchte ich noch drei Familien in Tauberbischofsheim, die ich über das Schicksal ihrer Vermissten aufklären konnte. In einer Familie war die Freude groß, als ich ihnen mitteilen
konnte, dass der Sohn und Vater von 3 Kindern in einem Tag eintreffen würde. Es gab damals viele “Falschmelder“, die bei Überbringung von Nachrichten zumindest auf ein Essen hofften. So ein Melder hatte       5 Tage zuvor die Nachricht vom Tod des Sohnes überbracht, weshalb alle schwarz trugen. Zu dieser Familie hatte ich bis zu meinem Wegzug aus Hochhausen Verbindung.
Nun ging es über den weiten Wiesengrund Richtung Hochhausen. Die Leute, die auf den Wiesen arbeiteten, kamen auf mich zu und erzählten, daß noch 54 vermisste Soldaten fehlten. Ich hatte angenommen der Letzte zu sein. Zuhause traf ich nur meine Hausleute an, denn meine Frau war mit den Kindern in Werbach. Sie erfuhr von einem Arbeiter, der mich überholt hatte: „Ich glaube, wenn ich mich nicht täusche, ist ihr Mann auf dem
Heimweg.“ In kurzer Zeit war auch sie mit den Kindern da. Ich verzehrte zu meinem ersten Kaffee einen ganzen Streuselkuchen. Hatte ich einen Hunger! Verständlich bei 92 Pfund Lebendgewicht.
Aus der Zwischenzeit sind noch verschiedene Fakten anzuführen. Am 18. April 1938 verstarb mein Vater an einer Nierenerkrankung, nachdem meine Frau ihn ein halbes Jahr in Bronnbach gepflegt hatte. Die Beisetzung des Briefträgers fand unter regem Anteil der Bronnbacher und der umliegenden Bevölkerung statt. Meiner Mutter wurde sofort von der Löwenstein-Verwaltung die Wohnung gekündigt und sie zog nach Wertheim in die
Eichelgasse. Am 25.1.1945 verstarb sie und wurde ebenfalls in Bronnbach beigesetzt. Ich konnte jedoch nicht teilnehmen, da ich mich im Feld befand und jeglicher Heimatbesuch auch in Todesfällen bereits untersagt war.
Kollege Münch deutete an, dass nur 5 Lehrer des Kreises Tauberbischofsheim im Dienst geblieben waren. Unter diesen war der kommissarische Leiter des Schulamts Hauptlehrer Bockenheimer, den ich kannte. Als ich am nächsten Tag nach Tauberbischofsheim ging, traf ich auf dem Amt meinen alten Freund Franz Fehringer, der mich herzlich begrüßte.
Herr Bockenheimer erschien, kannte mich aber offiziell nicht mehr und erklärte, er hätte nichts mit mir zu tun und komblimentierte mich auf brutale Weise aus dem Amt. Trotz meiner körperlichen Schwäche sollte ich in einigen Tagen nach Mannheim zur Schuttbeseitigung.
Mein Hausarzt stellte mir kein Attest aus und ließ mich im Stich, trotzdem ging ich nicht. Rührend war das Verhalten der Hochhäuser Bevölkerung. Sie brachten Lebensmittel und versuchten mir zu helfen, wo immer dies möglich war. Bürgermeister, Gemeinderäte und Pfarrer setzten sich ein, denn sie wollten uns Lehrer wieder in den
Dienst bringen. Nur einer glaubte in Form von Berichten gegen uns arbeiten zu müssen, Herr Jakob Gabler, obwohl er vorher am lautesten NS-Parolen gerufen hatte. Ich setzte zwar mehrere Tage Pflanzen im Wald, wurde dann aber ins Rathaus berufen. Dort legte ich das neue Kataster an und verteilte Lebensmittelkarten.
Zusätzlich machte ich Fremdenführer in Bronnbach. Bei einer Führung war Herr Bockenheimer anwesend, der mich plötzlich wieder kannte und sich anbiederte. Grund dafür war, dass die Spruchkammern ihre Tätigkeit aufnahmen. Die ersten Urteile gegen Lehrer waren besonders hart, denn das Schulamt trug penibel alles Belastende zusammen.
Kollege Münch wurde durch die Aussage meiner Frau, sie hatte ja bei Spear in England gearbeitet, im August 1947 nur als Mitläufer verurteilt und im Dezember 1947 wieder in Dienst gestellt. Auch ich wurde im Dezember 1947 als Mitläufer abgeurteilt, aber die Mitläufer fielen unter die Weihnachtsamnestie, so dass ich am 15. Juni 1948 wieder in Dienst gestellt wurde. Mein ursprünglicher Vertreter Oberlehrer Ehrmann ließ sich pensionieren. Mein erspartes Geld war vollkommen aufgebraucht und bei der Währungsumstellung war ich wieder im Dienst. Ich konnte nun wieder mit meinem Kollegen Münch zusammenarbeiten. Mit dem neuen Geistlichen Rat Cornel Stang bildeten wir über Jahrzehnte hinweg ein gutes Trio, das bis zum Tod zusammenhielt. Mit dem Bahnhof-vorsteher Weinig bildeten wir drei einen wöchentlichen Cego-Vierer-Abend.
In der Schule begann ich wieder im alten Stil zu unterrichten, sah mich aber gezwungen alle Arbeitsmittel neu herzustellen, zumal die Amerikaner alle früheren verbrannt hatten.
Mit Herrn Münch teilte ich den Organistendienst und ich übernahm den Kirchenchor. Wir beide konnten den Chor auf eine schöne Leistungshöhe bringen und führten Messen von Mozart, das Halleluja von Händel und schwierige Motetten auf. In kurzer Zeit war auch die
Schule wieder auf dem ehemaligen Leistungsstand. Meine Arbeitsgemeinschaften floriertten.
Bockenheimer versuchte mich für sich zu gewinnen, in Wirklichkeit stänkerte er und seine Freunde immer gegen mich und war nie ehrlich. Hier zeigte sich, daß aus dem Neid alles Böse erwächst.
Mit Dekan Cornel Stang arbeiteten wir gut zusammen und konnten zu dem neuen Aufbau der Pfarrei beitragen. So wurden nachfolgende Dinge ab 1948 realisiert: Gründung einer Kolpingfamilie, Bau eines Gruppensaals beim Kindergarten für 3.000 DM, Erneuerung des Kirchturms für 33.000 DM, Bau eines Gemeindessaal für 11.000 DM, Errichtung eines neuen Kindergartens für 43.000 DM, Bau eines neuen Pfarrhauses für 67.000 DM, zusätzlich
ein neuer Glockenstuhl für 9.000 DM und den Abschluss bildete der neue Kirchenbau für 750.000 DM, wozu die Gemeinde 260.000 beitrug. Bei der Pensionierung von Dekan Cornel Stang war alles bezahlt und der Nachfolger erhielt noch 50.000 DM für die neue Orgel. So blühte das innere Leben der Pfarrei auf.
Als Kollege Münch mit Erreichung der Altersgrenze zu Ostern in den Ruhestand versetzt wurde, trat ich als sein Nachfolger die Schulleitung an. Die Schule erhielt junge Lehrer, wie Frl. Tremmel aus Ettlingen und Herr Dörr, der nach zwei Jahren mit der Schulleitung in Krensheim betraut wurde. Mit den Neuzugängen von Herrn und Frau Matt begannen die Sorgen an der Schule. Herr Matt wurde nach Untergrombach zwangsversetzt, wohin auch seine Frau folgte. Ingeborg Jost aus Lauda brachte wieder neuen Schwung in die Schule.
Bis 1953 wohnten wir bei Reinhards, dann zogen wir in die Wohnung über dem neuen Kindergarten.
Ab 1960 war die Lehrerwohnung im Rathaus unser neues Domizil.
Anläßlich einer großen, katholischen Lehrerarbeitstagung in Walldürn 1953 wurde ich zum Leiter der Gesamttagung bestimmt. Innerhalb einer Woche tagten täglich 10 Arbeitsgemeinschaften. Pater Kling und Regierungs-direktor Geierhaas waren ganzzeitig anwesend.
Selbst evangelische Lehrer wollten den neuen Unterrichtsstil kennenlernen. Herr Bockenheimer war wieder einmal zum Sondieren angereist. Am Ende der Tagung teilten mir die Schulräte Schneider und Schwab mit, dass ich in Tauberbischofsheim nach dem
Ausscheiden von Bockenheimer das Schulamt übernehmen sollte. Ich sollte mich nicht über das Schulamt in Tauberbischofsheim bewerben, sondern direkt beim Oberschulamt Karlsruhe. Meine Bewerbung schlug in Tauberbischofsheim wie eine Bombe ein, denn das Schulamt musste mich für die Vorstellung in Karlsruhe freistellen. Martin Hörner aus Freudenberg, Führer der GEW, ein Freund Bockenheimers, bemerkte, daß er alles daran setzen würde, daß der “schwarze Bruder“ nicht zum Zuge käme. Die GEW nominierte
Konrektor Langer aus Walldürn. Nach 2 Besuchen bei Präsident Eichelberger wurde beiden Bewerbern mitgeteilt, daß sie nicht zum Zuge kämen. Ich sollte Heidelberg-Land übernehmen. Dies lehnte ich wegen meines kranken Sohnes Alois ab. Tauberbischofsheim wurde mit Herrn Speck aus Untergrombach besetzt. Ich denke gerne an die Zeit zurück, in der ich mit dem neuen Mann zusammenarbeiten konnte.                                    Ich erhielt auch Besuch von Herrn Geierhaas, der mich gerne in Tauberbischofsheim gesehen hätte.
In Buchen stand Herr Schwab vor der Pensionierung und Herr Speck forderte mich 1957 auf meine Bewerbung für Buchen abzugeben. Auch hier blockierte die GEW meine Bewerbung und Herr Bätz aus Eberstadt erhielt die Stelle. Dieser ging nach 18 Monaten nach Bruchsal. Auf kommende Ausschreibungen gab ich nicht mehr ein. Der Schulratreigen in Buchen begann zu laufen. Es folgten: Marbach verstarb nach 9 Monaten und Bätz kam
wieder für 5 Monate nach Buchen. Meine erneute Bewerbung auf Veranlassung von Speck brachte Herrn Ditter den Amtstitel, den Landrat Schmerbeck favorisierte. Ditter blieb nur 10 Monate, dann verschwand er nach Karlsruhe. Ich erhielt Schulbesuch von Präsident
Silber und Regierungsdirektor Preis. Im Gespräch stellte man mir Buchen in Aussicht.
Die Stelle wurde nicht mehr neu ausgeschrieben. Ende Januar teilte mir mein damaliger Schulrat Emil Wörner mit, dass ich ohne Bewerbung nach Buchen käme. Ich konnte nur lachen nach all dem Hickhack. Bei einer Lehrertagung in Gengenbach in den Osterferien erhielt ich von meinem Freund Franz Fehringer einen Brief, dass ich am 10. April in Buchen eingeführt werde. Bei der Einführung waren anwesend: Präsident Silber, Direktor
Preis, Regierungsschulrat Speck, Schulrat Ditter und Personalratsvorsitzender Köhn.
Schmerbeck glänzte durch landrätliche Abwesenheit. Eine Flasche Chantre wurde geleert, die Gläser liehen wir vom Bahnhofshotel aus. So arm war das Amt. Nun begann die Arbeit mit den beiden Sekretärinnen Stegmüller und Hegert, die ihren alten Verwaltungszopf weiterführen wollten. Als sie merkten, dass etwas Neues im Anmarsch war, verließen sie das Amt. Nun begann ich das verwahrloste Amt neu zu strukturieren. Statt der Schnur-und Zettelwirtschaft führte ich das Leitzordnersystem ein. Hierdurch konnte die Arbeitswelt
flotter gestaltet werden. Herr Hirt aus Karlsruhe war mein Fahrer, der mich alle zwei Wochen an zwei zu bennenden Wochentagen kreuz und quer zu Schul-besuchen durch den Kreis fuhr.
Meine Fortbildungstätigkeit aus dem alten Kreis Tauberbischofsheim setzte ich im gewohnten Stil fort.  Mit Oberlehrer Dörr aus Eberstadt und Hauptlehrer Neugeborn hatte ich tüchtige Helfer. Mit den neuen Sekretärinnen Heissig und Ingerle durfte ich selbständige
Personen begrüßen, die den Arbeitsbereich des Kreisschulamts voll abdeckten. Meine vordringlichste Aufgabe bestand darin, gerade den neueingestellten Junglehrern bei Unterrichtsbesuchen Hilfestellung zu geben. 82 Schulen waren zu betreuen und während
meiner Dienstzeit wurden 29 neue Schulgebäude errichtet, von denen heute viele leer stehen. 1285 Schulbescheide gingen an das Oberschulamt Karlsruhe. Mein Einzelzimmer tauschte ich 1962 nach langem Suchen mit einer geräumigen Wohnung in der
Kolpingstraße in Buchen, so dass meine Familie nachziehen konnte. Während dieser Zeit weilte ich drei Wochen am Oberschulamt Karlsruhe mit zusätzlicher Diensteinarbeitung.
Mit den Nachbarkollegen Schneider in Mosbach und Hörner in Tauberbischofsheim bildeten wir das Arbeitstrio der drei Kreisschulämter “Mo-Bu-Tau“. Der unwürdigen
Unterbringung des Schulamts in Buchen setzte ich ein Ende, als sich in dem gesamten Obergeschoss über meiner Wohnung eine räumliche Erweiterung der Büros anbot. Wir hatten das schönste Schulamt Nordbadens, das auch für seine Gastfreundlichkeit bekannt wurde. Die ersten 4 Jahre waren trotz vieler Aufgaben die schönsten und die Damen und Herren des Oberschulamts weilten gerne bei Feierlichkeiten in Buchen. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch allein und konnte mit Frau Schröpfer eine selbständige Sacharbeiterin für den Handarbeitsbereich gewinnen. Bereits ein Jahr zuvor hatten wir mit
der eintretenden Lehrerweiterbildung der Lehrer, die nur hochschulmäßig ausgebildet waren, begonnen. Am 3. Juli 1964 war ich zum Oberschulrat ernannt worden.
Im April 1965 wurde Konrektor Erich Schwender von der Realschule Wertheim als zweiter Schulrat dem Amt in Buchen zugeteilt und durch Präsident Rückert eingeführt. Er blieb 3 Jahre bis Juli 1968, um dann Nachfolger von Hörner Schulrat in Tauberbischofsheim zu werden. Von Juli 1968 bis Februar 1969 war ich wieder ohne Stellvertreter. Dann kam Franz Schnattinger aus Mosbach als Schulrat hinzu. Am 1. Januar 1972 wurde ich zum
Schulamtsdirektor ernannt und musste einen Tag vor Abreise zu meiner zweiten Romfahrt die Ernennungs-urkunde in Stuttgart abholen.
1966 setzte der Schulentwicklungsplan I ein und der Büroablauf im Schulamt verlief nicht mehr so reibungslos, denn es galt viel zu regeln und Widerstände zu beseitigen. Über 2 Monate zog sich in 6 Ortschaften der Schulstreik hin. Die Zahl der Schulorte sank von 82
auf 47. Das Sonderschulwesen wurde aus dem Nichts aufgebaut. Am 31. Juli 1972 konnte ich meinem Nachfolger Franz Schnattinger einen geordneten Schulkreis übergeben. Er gestaltete meine Verabschiedung in großem Rahmen. Viele Lehrer, Geistliche und Verwaltunsbeamte nahmen teil. Das Oberschulamt war durch: Präsident Dr. Unruh, Oberregierungsschuldirektor Speck und den Abteilungsleitern: Frau Roßmann, Herrn Klös,
Herrn Braun und Herrn Bickel vertreten. Der Ausklang fand dann in Form eines gemütlichen Beisammenseins im Amt statt.
Während meiner Pensionszeit unternahm ich mit den pensionierten und noch im Amt tätigen Schulräten Ausflüge in die nähere Umgebung. Ferner trafen sich die pensionierten Lehrer unter meiner Führung zu geschichtlichen Exkursionen.                                         
Mein Sohn Gerhard studierte an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe und wurde als Lehrer 1966 in Höpfingen eingesetzt. Am 29.Juli 1967 heiratete er Ingrid Kratochwil und seit dem 3.10.69 haben wir ein Enkel Dirk.
Anzumerken ist, dass die von Alois Wißmann in Buchen gegründete Schule für geistig Behinderte nach seinem Tod 13.11.1979 den Namen “Alois-Wißmann-Schule“ erhielt.